Newsflash VinItaly

 

Newsflash VinItaly
Ein spontaner Besuch der VinItaly (eine der größten Händlerweinmessen weltweit) als Begleitung von Herrn Seiter am Gardasee im April – strahlender Sonnenschein, malerische Landschaften, herrlicher Wein? Nun, diese trübe Suppe begrüßte uns jedenfalls jenseits des Brenners…

Schloss Web

Malerische Landschaft beim Brenner

Allein für die italienische Küche und die hochklassigen Weine hat sich die Reise jedoch gelohnt.
Was für ein breites Spektrum an Aromen! Hier ein ernsthafter Brunello di Montalcino, dort ein eleganter Barolo, zwischendurch ein Gavi wie ein Wellnesswochenende: Kühl und erfrischend, wie ein klarer Gebirgsbach in einer duftende Obstwiese!
Insgesamt fast 70 verkostete Weine an einem Tag klingen nach harter Arbeit, aber im Kontakt mit den Winzern und Winemakern und dem fantastischen Angebot großartiger Erzeugnisse vergeht die Zeit wie im Flug. Und am Ende eines erschöpfenden Tages bleibt die Erkenntnis: Unsere Weingüter werden nicht nur von sympathischen und kompetenten Winzern geführt, ihre Weine brauchen auch keinen Vergleich zu scheuen, selbst mit den absoluten Platzhirschen der einzelnen Regionen!
Einige meiner absoluten Favoriten möchte ich jetzt hier kurz vorstellen:

Brunello di Montalcino Riserva 2007, San Lorenzo
Nach einem Marathon von 14 verkosteten Spitzen-Brunello eine bemerkenswerte Überraschung: Füllig, weich, fruchtig; am Gaumen zunächst feine Säure, dann angenehmer Übergang zu den typischen Tanninen, im Abgang florale Süße. Ein runder Wein mit schöner Balance und interessanten Aromen.

Viognier 2007, Michele Satta
Eigentlich mag ich Viognier nicht besonders, dieser hat es mir aber angetan mit seinem Aromenspiel!
Im Geruch zuerst helle Holznoten und Buchs, nussig und üppig. Diese Geschmacksvielfalt setzt sich im Mund fort, wird aber noch ergänzt durch sahnige Noten, nach Amarula oder Likör, cremig süß und angenehm. Eine letzte Transformation erfährt der Wein im Abgang: Hier herrschen florale Aromen vor, mit Cashew und feiner Säure, ein äußerst faszinierender Wein!

Piastraia 2010, Michele Satta
Ähnlich wie beim Viognier auch hier ein spannender Wechsel der Aromen. Zugegeben, ich habe eine besondere Schwäche für Weine, die mir im Verlaufe einer Verkostung immer neue Geschmackimpulse geben, sich verändern und lebendig sind. Aber auch der Gesamteindruck muss stimmen, und das ist beim Piastraia der Fall: Zunächst eher dezent fruchtig im Geruch, dann mit Vanillenoten und leicht ätherisch, am Gaumen Aromen von Rosinen, Trockenobst und Rosen. Sehr runder und eleganter Wein.

Gavi Selezione Bert, Tenuta la Marchesa
Die Verkostung des Gavi ist wie ein Wellnesswochenende: Schon im Geruch fühlt er sich kühl an, frisch, wie ein Bergbach der durch einen Birnenhain fließt. Leichte Zitrone, helles Holz, warm und golden im Mund und dabei sehr leicht und süffig. Ein Wein, der sehr vielschichtige Aromen zum Entdecken bietet, der aber auch in entspannter Atmosphäre auf der Sommerterrasse perfekt passt.

River

Sonnenschein auf der Rückfahrt

 

Pinot Nero 2011, Cantina la Salute
Dass die Cantina la Salute ein sehr breites Spektrum toller Weine hat ist bekannt. Viele davon eignen sich hervorragend für Einsteiger, mit dem Baldassare und dem Raboso sind aber auch herrliche Tropfen für fortgeschrittene Genießer im Sortiment.
Und hoffentlich auch bald dieser Wein! Absolut elegant, im Duft mit feinem Holz und schwarzem Tee, typische Johannisbeere und Sauerkirsche mit leichten Rauchnoten, herzhaft. Am Gaumen butterweich mit Sandelholz und Vanillearomen, dann schöne Struktur mit leichten Tanninen und floralem Bukett, vor allem Flieder. Im Abgang kurzes, angenehmes aufflammen der Tannine mit harmonischem Übergang zu Sauerkirsche. Ein Wein zum Erleben!

Baldassare 2008, Cantina la Salute
Den Baldassare kenne und schätze ich schon, nun kenne ich aber auch dessen Vorbild, den Ronchedone von Ca dei Frati. Im direkten Vergleich fallen sofort die sehr ähnlichen Bouquets auf: Nelken und Gewürze, Orange, dunkle Früchte. Im Geschmack präsentiert sich der Ronchedone zunächst weich und süß mit feinem Fruchtspiel und leichter Tanninstruktur, wird aber gegen Ende etwas bissig. Der Baldassare zeigt hier deutlich mehr Präsenz, sowohl Tannine als auch Aromenspektrum am Gaumen sind breiter, angenehmer, fülliger. Wo der Ronchedone im Abgang sanft ausklingt, bietet der Baldassare schöne Zimtfrische, Orange und Kirsche. Fazit: Den Weinmakern von La Salute ist es nicht nur gelungen den Ronchedone zu imitieren, sondern ihn sogar zu übertreffen!

Barolo 2009, Mario Giribaldi
Ein absoluter Gentleman. Im ersten Duft dunkle Erde und Kirsche, offenbart nach dem Schwenken Johannesbeeraromen, Minze, ätherische Frische. Dann kommt die volle maskuline Power! In einem mächtigen Crescendo von weicher Süße zu rassigen, kraftvollen Tanninen: Ein regelrechtes Fortissimo bis zum Finale! Und doch zeigen sich, in diesem flammenden Rahmen der Gerbstoffe, feine Sherrynoten, Schlehe, Hagebutten; Ein herbstliches Fruchtspiel umrahmt von goldenem Feuer, welches sich bis in den Abgang hinein fortsetzt. Einfach gut!

2012 Bardolino Chiaretto Classico
Ein Wein, der mich sehr überrascht hat. Rosé ist mir oft zu seicht, ohne richtigen Ausdruck, gerade in Kombination mit Essen. Auf Einladung von Luca Valetti waren wir in einem absolut tollen Restaurant, einem alten Fort am Gardasee. In der gediegenen Atmosphäre verkosteten wir, nach einem arbeitsreichen Tag, zu gutem Essen unter Anderem diesen Rosé. Und er schmeckt! Im Geruch schon sehr blumig, Noten von Flieder und Banane, die Frucht noch betonter im Mund, wo sich ein angenehmes Bukett von Pfirsisch, Aprikose und Banane präsentiert, mit einer Leichte und Frische die sanft in den Abgang überleitet. Dennoch schafft es dieser Bardolino Chiaretto Classico, auch bei herzhaften Speisen zu überzeugen, auch mit Polenta, geschmortem Gemüse und Ricottakäse zu brillieren!

Fort web
Rosé Web

Ehemaliges Fort, dieser Raum ein Kanonenschacht

Valetti Rosé mit Ziegen- und Ricottakäse



Diese Weinmesse als Fachbesucher zu durchlaufen war für mich ein sowohl arbeitsintensives als auch spannendes Ereignis, mit vielen positiven Eindrücken. Nun kenne ich nicht nur die Weine, sondern auch die Gesichter dahinter, die Philosophie und die Lebensart. Und ein weiteres, weites Tor zur Weinwelt öffnet sich: Regionaler Bezug, Erleben von Terroir und Esskultur, quasi Weine in ihrem natürlichen Habitat! Faszinierend…
Ich möchte Sie gerne einladen, bei uns im schönen Winzer vorbeizuschauen und sich, vielleicht auch inspiriert durch diesen Erfahrungsbericht, persönlich ein Bild zu machen!

Mit freundlichem Gruß,
Dominik Franz